Über mich

Wer hier schreibt

Eine Geschichte über Schallplatten, Klassenzimmer und die Frage, was Texte im Netz wirklich können — auch deine.

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Viktoria Griesser — Content-Strategin aus Tirol

Von meinem Arbeitsplatz am Küchentisch aus, schaue ich direkt in unseren Garten. Am Fensterbrett blühen die ersten Erdbeeren. Dahinter ein Stück Wald, darüber die Tiroler Berge. Im Hochstuhl neben mir spielt Jonathan, achtzehn Monate alt. Er hat gerade gelernt, den Anhänger an seinen Traktor zu hängen. Das ist im Moment das große Thema.

Auf dem Tisch: ein Notizbuch, mein Laptop, eine Tasse Kaffee, die ich gleich nachfüllen muss. Das ist mein Arbeitsplatz. Es ist nicht optimal, so zu arbeiten. Aber ziemlich schön.

Arbeitsplatz am Küchentisch: Laptop und Kaffeetasse vor dem Fenster, am Fensterbrett wachsen Walderdbeeren, dahinter der Garten

Vor gar nicht allzu langer Zeit war mein Arbeitsplatz ein Klassenzimmer.

Ich war nie nur die Lehrerin

Ich war Volksschullehrerin. Mit Herzblut. Aber ich war nie nur die Lehrerin. Wenn in unserer Schule der Beamer nicht funktionierte, der Drucker streikte oder die Website überarbeitet werden musste — Viktoria fragen.

Was ich am Unterrichten geliebt habe: der Moment, wenn man ein Kind mit einem Thema richtig erwischt und es brennt dafür. Wenn ein Lernmaterial – oder noch besser ein ganzes System –, das ich abends vorbereitet habe, am nächsten Morgen einfach funktioniert. Wenn aus einer Klasse für eine Stunde ein Team wird. In diesen Momenten war ich genau da, wo ich sein wollte.

Neben dem Unterrichten habe ich Psychologie studiert. Und etwas ganz anderes hat mich angezogen: das Internet.

Dass auf einmal so viel möglich war. So viel Wissen. So viel Freiheit. Dass ein einziger Text Menschen erreichen kann, die ich nie kennenlernen werde. Dass jemand um drei Uhr morgens vor seinem Laptop sitzt, etwas googelt — und auf einen Satz stößt, der ihm hilft.

Am Ende bin ich nicht gegangen, weil ich keine Lehrerin mehr sein wollte. Ich bin gegangen, weil ich nicht nur Lehrerin sein konnte.

Was im Verborgenen wuchs

Das Knistern einer Schallplatte kenne ich, seit ich fünf Jahre alt bin.

Mein Vater hatte immer einen Plattenspieler im Wohnzimmer. Wir haben zusammen Geschichten und Musik gehört. Manchmal laut. Manchmal über diese quietschorangen Kopfhörer — man musste im Stehen hören oder auf dem Boden sitzen, weil das Kabel nicht lang genug war.

Plattenspieler mit Staubschutzhaube auf einem Holz-Sideboard, daneben Schallplatten und eine Pflanze

Daraus ist Jahre später 33eindrittel.com entstanden — eine Seite über Plattenspieler. Wie man den besten findet, wie man Platten reinigt, wie man digitalisiert, welche Schallplatten hörenswert sind. Wissen, das mit den Jahren in Vergessenheit gerät, weil die Generation, die es trägt, es leiser werden lässt.

Später kam schlaffuchs.com dazu — ein Ratgeber zum Thema Schlaf, mit Bildern, die ich selbst illustriert habe. Damals habe ich Psychologie studiert – das merkt man den Artikeln an.

Mein Name stand auf beiden Seiten — aber es war eher ein offenes Geheimnis. Affiliate-Seiten zählen für viele nicht als „echtes" Schreiben – auch wenn unsere eher Fachmagazine waren als Verkaufsplattformen.

Aber es waren die zehn Jahre, in denen ich gelernt habe, was Texte im Netz können — und was sie nicht können. Ohne Buchrücken, ohne LinkedIn-Logo, ohne Bühne.

Was zehn Jahre Schreiben für Google mir gezeigt haben

Eine Einsicht hat sich in dieser Zeit immer wieder bewahrheitet: Wer online wirken will, holt seine Leser:innen da ab, wo sie wirklich stehen — und gibt ihnen, was langfristig stimmt, auch wenn es kurzfristig lästig ist. Länger an einem Satz sitzen. Eine Frage nicht weichspülen. Ein Bild selber malen, weil keines passt. Sich nicht hinter Aufzählungen verstecken.

Das ist keine SEO-Strategie, das ist eine Haltung. Sie funktioniert, weil sie selten geworden ist.

Bevor heute jemand auch nur einen Kaffee irgendwo trinkt, googelt er die Adresse. Wer Therapeut:in ist, Coach, Berater:in, wird erst gesucht und dann angerufen.

Die Verbindung beginnt nicht im Erstgespräch. Sie beginnt drei Klicks vorher, auf einer Seite, deren Texte entweder etwas erzählen — oder eben nicht. Die meisten Praxis-Websites klingen, als wäre niemand zuhause.

Aufgeschlagenes Notizbuch mit handschriftlichen Notizen und ein Füller auf dem Schreibtisch

Und hier staune ich oft: Menschen, die in ihrer eigenen Arbeit so genau hinschauen – die mit ihren Klient:innen tief gehen, die sich ständig weiterbilden, die feinste Unterschiede wahrnehmen – behandeln ihre Website wie ein notwendiges Übel. Dabei sind die Worte dort die erste Verbindung. Jemand fühlt sich abgeholt oder eben nicht, lange bevor das Telefon klingelt.

Ich halte das, was Marketing-Leute Selbstständigen heute empfehlen, oft für falsch. „Du musst auf Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn, du darfst keinen Kanal vernachlässigen."

Ich glaube, es ist bereits ein großer Schritt nach vorne, wenn man eine Sache macht — aber dafür richtig. Eine Website mit echten Texten und einem aktuellen Blog. Und wenn Instagram, dann bewusst dafür entschieden, nicht aus dem Gefühl heraus ständig posten zu müssen.

Eine Seite, auf der jemand zuhause ist. Das reicht oft schon.

Sichtbarkeit hat ihren Preis – Unsichtbarkeit auch

Sichtbarkeit war für mich nie leicht. Bisher war sie für mich vor allem mit „Müssen" verbunden — du musst bleiben, was du warst. Du gibst etwas her, das du nicht mehr zurückbekommst.

Was mir lange nicht bewusst war: Diese Unsichtbarkeit hat auch ihre Kosten. Weniger Entwicklung. Weniger Begegnungen mit Menschen, die ähnlich denken. Und nichts dazu beigetragen, dass jüngere Frauen sehen: Es gibt andere Wege als die lauten, die schnellen, die offensichtlichen.

Wenn ich heute schreibe, schreibe ich nicht, weil ich gefunden werden möchte. Ich schreibe, weil ich es lange genug nicht getan habe, sichtbar.

Vielleicht meine ich dich

Wenn ich an die Person denke, die diese Seite weiterliest, sehe ich eine Frau, die mit Menschen arbeitet. Therapeutin vielleicht, Coach, Beraterin. Sie geht tief mit ihren Klient:innen, bildet sich weiter, achtet auf Dinge, die andere übersehen.

Sie lebt für ihren Beruf. Nach jeder Sitzung macht sie noch ein paar Minuten Notizen — Dinge, die ihr beim Verabschieden aufgefallen sind. Drei Tage später schaut sie nochmal hinein.

Ihre Website existiert. Aber sie weiß: Was sie wirklich kann, kommt darauf nicht an. Sie möchte mehr Klient:innen — vor allem solche, die wirklich passen. Marketing mag sie eigentlich nicht. Sie müsste nur lernen, etwas mehr von sich zu zeigen – mit den richtigen Worten, damit die Richtigen sie finden.

Was sie nicht ist: jemand, der auf Trends aufspringt. Jemand, der lustige Reels macht, um Reichweite zu erzeugen. Jemand, der mit zwölf Kanälen gleichzeitig hantieren möchte. Sie will langlebig für etwas stehen, nicht laut sein.

Wenn du das gerade liest und denkst „das könnte ich sein" — dann bist du hier richtig.

Was bleibt

Ich lebe in Umhausen, einem Dorf im Tiroler Ötztal, mit meinem Mann und zwei Kindern. Wenn ich nicht schreibe, zeichne ich mit Tinte – meistens abends, wenn die Kinder schlafen, und meistens etwas, das ich tagsüber im Vorbeigehen gesehen habe.

Ich höre noch immer Schallplatten, am liebsten die, die schon ein bisschen knistern. Und ich gehe gern den Hang hinauf, bis man das Dorf nicht mehr hört.

Tinte-Zeichnung von Viktoria Griesser: eine Frau von hinten, die ihr Kind im Arm hält

Ich bleibe jetzt eine Weile sichtbar. Mal sehen, was passiert.

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